Der Artikel über die wohl prominenteste Business-Plattform in Deutschland, in der FAZ vom 10.08.2008 unter der Überschrift “Die große Zeitvernichtungsmaschine” fiel deutlich und vernichtend aus: Ziel verfehlt, setzen, sechs! Von der Ankündigung der Business-Plattform geschäftliche Kontakte zu erleichtern oder auch nur zu fördern, hatte der Autor, Friedhelm Weidlich nichts bzw. nicht viel entdecken können. Welche konkreten Erwartungen er hatte und welche Kontaktversuche er unternommen hatte, darüber wird nicht viel berichtet. Dies hätte viel zur Nachvollziehbarkeit des Artikels beigetragen. Dennoch zeigt sich, dass die etablierten Medien nach der ersten Euphorie zunehmend kritisch über die Online-Produkte des berichten. Dabei wird auch mangelnde Sensibilität mit den Nutzerdaten und dem Umgang mit den Nutzern selbst ebenfalls thematisiert.

Überraschende Einführungen und Neuigkeiten bei

Die neuen Plattformen der – Ära suchen und finden immer wieder neue Anwendungsmöglichkeiten. Dem entsprechenden Wachstum und der Entwicklung folgend, werden die Neuerungen meist zügig und nicht selten ohne Übergangszeiten eingeführt. In dem o. g. Artikel werden u. a. folgende Neuerungen der Plattform – früher OpenBC – angeprangert:

  • Einblendung von Werbung zu den persönlichen Profilen zur Jahreswende 2007 / 2008
  • Nutzung (Nicht: Weitergabe) der Nutzerprofile für gezielte Ansprachen und Werbung innerhalb der Plattform
  • Listung der Beiträge der Nutzer durch neue Funktion, die auch Uhrzeit mit auflistet
  • Schließung eines Politik-Forums, weil Politik gnerell nicht auf gehöre

Handelt es sich hierbei um einen deutschen Sonderweg? Schlicht eine Kommerzialisierung einer einmal gewonnenen (Markt-) Postitionierung im Internet?

Aus der allgemeinen Kritik an der Plattform :

“Wir haben uns, von einem begeisterten Kollegen bestärkt, im Februar 2007 angemeldet und seither jeden Monat hoffnungsvoll knapp sechs Euro abbuchen lassen. Doch was sich als Kontaktplattfom ausgab, hat sich als private Kontaktplattform, Zeitvernichtungsmaschine und Panoptikum des Lebens erwiesen. Von Business fast keine Spur, wenn man nicht auf Stellensuche ist.” [...] “Die große Zeitvernichtungsmaschine”, FAZ Sonntagszeitung, 10.08.2008, S. V8

“Doch Geschäfte haben wir nicht gemacht. Unsere eigenen Anläufe bei den in Foren oder nach Suchworten entdeckten Mitgliedern verliefen im Sande. Denn hier tummeln sich überwiegend Freiberufler, Anwälte, Sachbearbeiter oder die unteren Führungsebene der Industrie, die vermutlich Personalberater oder Konkurrenz ködern wollen. Auffällig sind auch die zahlreichen, meist weiblichen Coaches, die von Esoterik über Klangschalen-Massagen bis hin zu fernöstlichen Körpertechniken alles anbieten, was gestressten Geschäftsleuten seelische und körperliche Erleichterung bringen könnte, oft als kleiner Zuverdienst.” [...] FAZ, a.a.O.

“Kaum jemand wird zugeben, dass nicht für den Geschäftserfolg beiträgt.”  [...] FAZ, a.a.O.

Ermüdete Leserschaft

Was sich zunächst wie eine Einschränkung der Kritik liest:

“Trotzdem findet sich auch Sinnvolles: Hilfe beim Umgang mit dem Computer, Fundiertes von Anwälten über Rechtsfragen im Internet, Tipps zur Vermarktung von Büchern und vieles mehr. Doch wer sich die Mühe macht, nur in einigen Foren die wichtigsten Themen mitzulesen, braucht viel Zeit.” [...] FAZ, a.a.O.

“Auch wenn es nur ein Gefühl ist, so scheint es, als ob das Niveau der Diskussionen schleichend sinkt. Denn die Neuen stellen Fragen und bringen wenig ein. Die Alten sind müde und haben keine Lust mehr, immer wieder dieselben Fragen zu beantworten.” [...] FAZ, a.a.O.

Eindruck bestätigt

  1. Mitwirkung unerwünscht: In einer Gruppe wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass bestimmte inhaltliche Diskussionen nicht erwünscht seien. Diese möge sich der Autor bitte für seinen Blog vorbehalten. Bei solchen Aussagen wundert es nicht, wenn die Nutzer sich wieder selbständig machen, die einschlägigen Foren und Blogs für ihre Themen suchen und dort unter Pseudonym lesen und schreiben. Die Offenheit, die bei anderen Plattformen des eingekehrt ist, wird bei den Marktführern zunehmend durch andere Prioritäten überlagert. Das Ziel des “Mitmach-Web” steht nicht (mehr) an einer der obersten Stellen.
  2. Die Rechtsprechung zur unerwünschten Werbung (z. B. Cold Calls, Call Calls, etc.) hat das Marketing und Recruiting neue Wege suchen lassen. Auf einer Business-Plattform werden die Nutzer solche “Geschäftskontakte” zulassen. Entsprechend werden zahlreiche Anfragen ohne Bezug zu Profil und Person in Formularschreiben gefertigt. Auch bei einigen konkreten Geschäftsanfragen, verlief sich bei Nachfragen jedes Projekt im Sand. Der Autor – gegen den Artikel – zugeben: Die Plattform hat nicht meßbar zum Geschäftserfolg beigetragen. Vergleichen mit einem eigenen Blog, der durchaus ein meßbar zu Rückmeldungen führt und auch konkret Geschäfte und Projekte erbracht hat, hält die Aktivität bei einem eigenen Controlling nicht stand. Aber es gibt dort viele alte Bekannte und so freut sich die Plattfrom vielleicht über einen weiteren, “privaten” Teilnehmer. Die “Klangschalen-Massagen” zur Entspannung habe ich jedenfalls noch nicht gefunden. Vielleicht habe ich also auch nur falsch gesucht.

Rechtsanwalt Siegfried Exner, Kiel
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