Ganz Norddeutschland? Nein eine kleine norddeutsche Gemeinde wehrt sich gegen … so oder ähnlich könnte es in Anlehnung an ein großes Commic-Werk heißen, was gegenwärtig wohl das Gemüt der sonst so ruhigen Norddeutschen erregt. In einem Artikel des Stern von Christopher John Peter wird sogar der Widerstand gegen den Ablichtwahn der Welt und dieser heroische Kampf gewürdigt.

Dort heißt es u. a.

„Wir lehnen das ab. Nicht alles, was aus Amerika kommt, wollen wir auch bei uns haben“, sagt Roman Hoppe, Bürgermeister der streitbaren Kommune. „Wir wollen nicht im Internet sein.“

Kein Wunder, dass die Molfseer nächste Woche den IT-Gigant in die Schranken weisen wollen. „Ob CDU, SPD, FDP oder Freie Wähler, alle 22 Gemeindevertreter sind sich einig“, sagt Hoppe. „Wir werden eine Resolution verfassen.“ Eine Waffe gegen die „Datenkrake“ Google glauben die Kommunalpolitiker auch schon gefunden zu haben: die deutsche Straßenverkehrsordnung.

„Wir haben uns das Gesetzeswerk vorgenommen und entdeckt: Google braucht eine Sondernutzungserlaubnis, wenn es zu kommerziellen Zwecken Straßenzüge ablichtet. Und die werden wir einfach verweigern“, erklärt der Bürgermeister trotzig. Auch SPD und FDP im schleswig-holsteinischen Landtag teilen die Bedenken gegen das Street-View-Projekt des Suchmaschinen-Anbieters. „Wir haben beantragt, das Thema auf die Tagesordnung der Sitzung des Innen- und Rechtsausschusses am Mittwoch zu setzen“, raunte der FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki am Montag vielsagend in die Mikrofone der Journalisten in Kiel. Die Erfassung und Veröffentlichung der Daten sei bedenklich.

Nun ja, in Molfsee ist ein Freilichtmuseum eingerichtet, in dem zahlreiche ältere Häuser aus Schleswig-Holstein wieder aufgebaut wurden. Insbesondere solche Häuser, die Bauprojekten weichen mussten oder anders nicht zu erhalten gewesen wären, sind hier zu finden. Dass nun aber die Angst vor annonymen Internet-Tätern die Schleswig-Holsteiner gegen Street-View einnimmt, ist vielleicht auf das ungünstige Marketing des Fotoshoutings in Deutschland zurückzuführen. Und auf die Datenschutzskandale der letzten Zeit, war doch Schleswig-Holstein auch Ausgangspunkt des „Lidl-Skandals“. …

Doch der Wirtschaft- und Werbefaktor des Dienstes Street-View soll nicht unterschätzt werden. Google arbeitet zudem an einer Einbindung in eine Navigation, wie Gerüchte besagen. Wenn nun mit allen Mitteln die Aufnahmen verhindert werden, wird der weiße Fleck der Landkarte zu einem Fluß des Besucherstroms zu anderen Zielen führen. Kann sich ein Tourismus-Land wie Schlewig-Holstein eine solche Entscheidung leisten?

Rechtsanwalt Siegfried Exner, Kiel – ww.jur-blog.de

1 Kommentar zu „Kiel / Molfsee: Streit um Google Street-View in Schleswig-Holstein“

  • Google baut Amateurfotos in Street View ein
    Laut Golem (03.03.2009) wird der GPS-Bilderdienst Panoramio Bildmaterial für Street-View liefern, indem geocodierten Amateurfotos aus Googles eigenem Bilderdienst Panoramio ergänzt werden.Technisch soll über der Street-View-Ansicht eine Bildleiste eingeblendet werden, über die die hochauflösenden Fotos abrufbar sein sollen.
    Anm: Über die Nutzungsrechte und Entgelte wird dann wahrscheinlich nach der Umsetzung nahgedacht.

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