Zum neuen Jahr werden wieder zahlreiche Gesetze in Kraft treten. Eine besondere Rolle spielt dabei auch das neue Urheberechtsgesetz (UrhG). Dessen so genannter zweiter Korb wird ebenfalls ab dem 01.01.2008 wirksam. Das 2. Gesetz zur Regelung des Urheberrechts in der Informationsgesellschaft (2. Korb) wurde vom Bundesrat am 21. September 2007 gebilligt. Es kann daher zum Jahreswechsel in Kraft treten. Die geänderten Bedingungen betreffen auch die Universitätsbibliotheken, die zum Teil als Mittler aufgetreten sind. So stammt auch der Hinweis an den Autor von einer offiziellen Information der Universitätsbibliothek Kiel an ihre Nutzer.Eine der Änderungen betrifft die elektronischen Dokumentendienste. Diese liefern auf Anfrage bestimmte Artikel, die auf spezielle Anfrage oder nach einem Recherche-Auftrag erstellt werden. Mit dem Inkrafttreten der Änderungen des UrhG muss sich auch die elektronische Dokumentlieferung den neuen gesetzlichen Bestimmungen anpassen. In Deutschland wird grundsätzlich nur noch die Dokumentlieferung auf dem Post- und Faxwege möglich sein. Dies gilt für alle Kundengruppen, also Verbraucher, wissenschaftliche Einrichtungen und auch Behörden.

Die Lieferung von Grafik- oder PDF-Dateien soll nur noch zulässig sein, wenn der Verlag keinen Onlinezugang zu diesem Artikel anbietet. Durch diesen Vorbehalt sollen die Online-Verwertungsrechte der Verlage gesichert werden. Ob die Regelung in der Praxis bestand haben wird, bleibt abzuwarten: So kann das Gesetz für Verlage ja gerade einen Anreiz bieten, Artikel auch online zu publizieren. Wenn die Lieferdienste dann nicht ständig die Neuerungen der Verlage beobachten, sind Auseinandersetzungen vorprogrammiert. Zudem wird eine Anpassung des Geschäfts und der Geschäftsbedingungen der Lieferdienste erforderlich.

Meine Meinung: Im Ergebnis wird zunächst die Erreichbarkeit von Dokumenten schwerer. Gerade ältere, sonst nicht mehr verfügbare Titel konnten bislang recht einfach geordert werden. Nun wird eine Recherche nötig, ob der veröffentlichende Verlag diesen Text in irgend einer Form online zur Verfügung stellt. Dies wird den Prozess der Dokumentenversendung zumindest verlangsamen. Gegebenenfalls werden durch den zusätzlichen Arbeitsschritt auch die Kosten der Dokumentenlieferung steigen.

Ob künftig das Auffinden der Online-Angebote der Verlage leichter wird, ist nicht sicher. Den Dokumentenlieferdiensten droht – mal wieder – die Keule von Abmahnungen und Schadensersatzansprüchen. Insgesamt wird die Idee der neuen Geschäfte durch Dokumentenlieferung jedenfalls zugunsten der bestehenden Verlage eingeschränkt und deren schon bestehende Marktmacht gestärkt. Es ist also zu hoffen, dass weitere Ideen der new Economie – z. B. das Aufkommen der eBooks – nicht auch diesen Mechanismen des alten Markts zum Opfer fällt

Von Rechtsanwalt Siegfried Exner, Kiel

Links zum Thema: Dokumentenlieferdienste

GetInfo – Englischsprachige Online-Bibliothek für Naturwissenschaft und Technik

Subito – Dokumente der deutschen Bibliotheken

Tiborder – Recherche-, Bestell- und Liefersystem

Vascoda – Wissenschaftliche Informationen in Deutschland

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