Das VG Ansbach, Urteil vom 10.07.08, Az. AN 5 K 08.00348 hat in seinem Urteil – entgegen dem OLG Koblenz – die Rundfunkgebührenpflicht für internetfähige Computer bejaht. Wie auch schon im Fall des VG Koblenz, Urteil vom 15. Juli 2008, 1 K 496/08.KO ging es wieder um einen Anwalt. Diesmal wurde ebenfalls die generelle Berechtigung der Gebühren in Frage gestellt, u. a. mit begründeten Zweifeln, ob dies noch dem Zweck der Gebührenerhebung entspreche, grundrechtlichen Erwägungen und auch dem Hinweis, dass Anwälte ja künftig wegen der elektronischen Mahnbescheide einen internetfähigen PC haben müssen. Im Ergebnis hielt dann das VG Ansbach die Gebühr für rechtens – anders als das VG Koblenz! Auf diese Entscheidung machte heise online aufmerksam und sah darin ein Auseinandergehen der Meinungen der deutschen Verwaltungsrichter.
Wörtlich hieß es in dem Beitrag:
Urteil: Für Büro-PC werden Rundfunkgebühren fällig
In der Frage, ob ein Bürocomputer rundfunkgebührenpflichtig ist oder nicht, gehen die Meinungen der deutschen Verwaltungsrichter auseinander. Nachdem ein Koblenzer Gericht jüngst einen Anwalt von der Abgabenpflicht für seinen Kanzleirechner befreit hatte, bestätigte das Verwaltungsgericht Ansbach in einem ähnlichen Fall die Gebührenpflicht für den PC. Ein Rechtsanwalt, der sonst kein Empfangsgerät bereithalte, müsse für seinen Rechner GEZ – Gebühren zahlen, befand die fünfte Kammer des VG Ansbach in einer Anfang der Woche veröffentlichten Entscheidung vom 10. Juli (Az. AN 5 K 08.00348). Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig. Gegen das Urteil kann Beschwerde vor dem Oberverwaltungsgericht eingelegt werden. (…) heise online 06.08.2008 16:44, a. a. O.
Zu ergänzen ist noch VG Braunschweig, Urteil vom 16.07.2008, Az. 4 A 149/07. Dort ging es um die Sondervorschrift des § 5 Abs. 3 Rundfunkgebührenstaatsvertrag (RGebStV). Demnach sind
§ 5 (3) RGebStV
Für neuartige Rundfunkempfangsgeräte (insbesondere Rechner, die Rundfunkprogramme ausschließlich über Angebote aus dem Internet wiedergeben können) im nicht ausschließlich privaten Bereich ist keine Rundfunkgebühr zu entrichten, wenn
- die Geräte ein und demselben Grundstück oder zusammenhängenden Grundstücken zuzuordnen sind und
- andere Rundfunkempfangsgeräte dort zum Empfang bereitgehalten werden. (…)
In jedem Fall werden also auch Gebühren dort verlangt, wo es nach dem Willen des Gesetzgebers keine Gebühr geben soll. Es wäre zu begrüßen, wenn die Gerichte bei der Entscheidung über die Rechtmäßigkeit der Rundfunkgebühren auch den Übereifer der GEZ berücksichtigen würden. Solange die gesetzlich vorgesehenen Ausnahmen nicht transparent vermittelt werden, sollten an die verfassungsrechtlich zulässige Erhebung der Gebühren besonders strenge Maßstäbe gestellt werden.
Methodisch ist zu kritisieren, dass sich die Entscheidung mit dem fast zwei Monate vorher ergangenen Urteil der Koblenzer Richter nicht auseinandersetzt. Die Entscheidung war zudem einem Einzelrichter übertragen worden. Im Hinblick auf die Höhe der streitigen Gebühr vielleicht nachvollziehbar. Angesichts des verbreiteten Ärgers über die Art und Weise des Gebühreneinzugs und die massenhaften Unsicherheiten und zunehmende Anzahl der Verfahren über die „neuartigen Rundfunkgeräte” völlig unverständlich.
Rechtsanwalt Siegfried Exner, Kiel
- *** -
VG Ansbach, Urteil vom 10.07.08, Az. AN 5 K 08.00348 – Gebührenpflicht für den PC (Text)
- Die Klage wird abgewiesen.
- Der Kläger trägt die Kosten des Verfahrens.
Tatbestand:
Gegenstand des Verfahrens ist ein Rechtsstreit über die Rechtmäßigkeit der Heranziehung von Rundfunkgebühren für einen internetfähigen PC. Der Kläger hat im Rahmen eines Telefongesprächs mit einem Mitarbeiter der GEZ am 25. Januar 2007 angegeben, einen internetfähigen PC zu besitzen. Die GEZ registrierte den Kläger daraufhin als Besitzer eines neuartigen Rundfunkgeräts, schickte ihm diese Anmeldung zu und forderte ihn mit Kontoauszug vom 4. Februar 2007 zur Zahlung von Rundfunkgebühren für drei Monate in Höhe von 16,56 EUR auf. Der Kläger teilte der GEZ daraufhin mit Schreiben vom 14. Februar 2007 mit, dass er den Kontoauszug bekommen habe, eine Gebührenfestsetzung in Form eines Gebührenbescheides noch nicht vorliege, er zur Zahlung nicht verpflichtet sei und die angeforderten Gebühren vorerst nicht bezahlen werde. Die GEZ antwortete dem Kläger mit Schreiben vom 20. März 2007, dass die Rundfunkgebühren gesetzlich festgelegt seien. Wenn die Rundfunkgebühren nicht innerhalb einer Frist von vier Wochen nach Fälligkeit in voller Höhe entrichtet worden seien, werde die Rundfunkgebührenschuld zusammen mit einem Säumniszuschlag in Höhe von 5,11 EUR festgesetzt werden. Nach einer weiteren Zahlungserinnerung der GEZ vom 1. April 2007, einem Hinweisschreiben über die Anmeldung „neuartiger Rundfunkgeräte” vom 25. April 2007 und einer weiteren Zahlungsaufforderung vom 5. Mai 2007 setzte der Beklagte mit Bescheid vom 1. Juni 2007 für den Zeitraum Januar bis März 2007 und mit Bescheid vom 1. Juli 2007 für den Zeitraum April bis Juni 2007 jeweils rückständige Rundfunkgebühren in Höhe von 16,56 EUR sowie jeweils einen Säumniszuschlag von 5,11 EUR, somit insgesamt 43,34 EUR fest.(…)
Das Verfahren wurde durch Beschluss vom 9. Juni 2008 auf den Einzelrichter übertragen. Wegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes wird auf die Gerichts- und Behördenakten und für den Verlauf der mündlichen Verhandlung auf die Sitzungsniederschrift verwiesen.
Entscheidung
Die Klage ist zulässig, aber unbegründet. Die Gebührenbescheide des Beklagten vom 1. Juni und 1. Juli 2007 in Gestalt des Widerspruchsbescheids vom 24. Januar 2008 sind nicht rechtswidrig und verletzen den Kläger nicht in seinen Rechten (§ 113 Abs. 1 VwGO).
Der Kläger ist zur Zahlung von Rundfunkgebühren verpflichtet, weil er mit seinem internetfähigen PC ein nach dem Rundfunkgebührenstaatsvertrag gebührenpflichtiges Gerät zum Empfang bereithält (1.1.), diese den Gebührentatbestand regelnde Norm nicht verfassungswidrig ist (1.2.), die Gebührenpflicht kraft Gesetz entstanden ist (1.3.) und Voraussetzungen für eine Befreiung von der Gebührenpflicht oder Beendigung der Gebührenpflicht nicht vorliegen (1.4.). Da der Kläger die Rundfunkgebühren nicht fristgemäß bezahlt hat, ist er auch zur Zahlung von Säumniszuschlägen verpflichtet (1.5.).
1.1. Maßgeblicher Zeitpunkt für die Sach- und Rechtslage ist bei dieser Anfechtungsklage der Zeitpunkt der letzten Behördenentscheidung, d.h. der 24. Januar 2008. Rechtsgrundlage für die Erhebung von Rundfunkgebühren ist der Rundfunkgebührenstaatsvertrag (RGebStV) in der zu diesem Zeitpunkt gültigen Fassung, d.h. in der Fassung gemäß dem 9. Rundfunkänderungsstaatsvertrag vom 10. Februar 2007 (GVBl 2007, 132).
Jeder Rundfunkteilnehmer ist gemäß § 2 Abs. 2 RGebStV verpflichtet, insbesondere vorbehaltlich der Befreiungsregelungen in §§ 5 und 6 RGebStV (siehe unten 1.4.) für jedes von ihm zum Empfang bereitgehaltene Rundfunkempfangsgerät Rundfunkgebühren zu bezahlen. Der Kläger, der angegeben hat, kein (sonstiges) Rundfunkempfangsgerät zu besitzen, ist (dennoch) Rundfunkteilnehmer, weil er einen internetfähigen PC besitzt. Rundfunkempfangsgeräte im Sinne des Rundfunkgebührenstaatsvertrages sind technische Einrichtungen, die zur drahtlosen oder drahtgebundenen, nicht zeitversetzten Hör- oder Sichtbarmachung oder Aufzeichnung von Rundfunkdarbietungen (Hörfunk und Fernsehen) geeignet sind (§ 1 Abs. 1 RGebStV). Bei dieser Beschreibung hat der Gesetzgeber die „althergebrachten” Empfangsgeräte wie Fernsehgerät, Radio, Videorecorder mit Rundfunkempfangsteil und auch den „nicht ganz so althergebrachten” Computer mit Fernsehkarte für den terrestrischen Empfang (incl. DVB-T), den Empfang über Satellit oder Kabel im Auge. Durch die Regelung in § 5 Abs. 3 RGebStV hat der Gesetzgeber auch „neuartige” Rundfunkempfangsgeräte, abgesehen von den dort genannten Ausnahmen, nach Ablauf des Moratoriums in § 11 Abs. 2 RGebStV zum 31. Dezember 2006 für gebührenpflichtig erklärt. Abgesehen von dem einen – im gegenständlichen Fall aber einschlägigen – Beispiel des Rechners, der Rundfunkprogramme ausschließlich über Angebote aus dem Internet wiedergeben kann, hat der Gesetzgeber im Rundfunkgebührenstaatsvertrag keine weitere konkrete Definition für neuartige Rundfunkempfangsgeräte getroffen. Zweifellos müsste man derzeit auch Notebooks, UMTS-Handys und internetfähige PDAs (Personal Digital Assistent – kompakter, tragbarer Computer, der insbesondere für die persönliche Kalender-, Adress- und Aufgabenverwaltung benutzt werden kann) als neuartige Rundfunkempfangsgeräte ansehen, da diese die gleiche Funktionalität wie der oben genannte Rechner beinhalten. Die zunehmende Digitalisierung der Daten hat für den Rundfunkbereich dazu geführt, dass die bisherigen Übermittlungswege für Ton und Video (i.d.R. über Radio und Fernsehgerät) nicht mehr bindend sind. Digitale Inhalte können, wenn die entsprechende Übermittlungskapazität vorhanden ist, auf unterschiedlichsten und sich in Zukunft möglicherweise noch erweiternden Wegen verbreitet werden. Um dieser Situation der Konvergenz, das heißt dem Zusammenwachsen von Übertragungswegen und Diensten in der Telekommunikation, möglichst zukunftssicher zu begegnen, hat der Gesetzgeber den „technisch mitwachsenden” unbestimmten Rechtsbegriff des neuartige Rundfunkempfangsgeräts eingeführt und damit sichergestellt, dass die auch anderen oben genannten neuartigen Rundfunkempfangsgeräte und entsprechende technische Fortentwicklungen mit gleicher Funktionalität als Rundfunkempfangsgeräte im Sinne des § 1 Abs. 1 RGebStV angesehen werden können.
Für die juristische Praxis ist es nichts Ungewöhnliches, dass die Auslegung unbestimmter Rechtsbegriffe (z.B. Menschenwürde, gute Sitten) auch bei Auslegung durch das Bundesverfassungsgericht nur eine temporäre Gültigkeit beanspruchen kann. Der in § 5 Abs. 3 RGebStV verwendete unbestimmte Rechtsbegriff des neuartigen Rundfunkempfangsgeräts hat deshalb zur Folge, dass eine jeweilige rechtliche Anpassung dieses Begriffs im Rundfunkgebührenstaatsvertrag an die technische Fortentwicklung bis auf weiteres, jedenfalls bis zu einem neuen technischen „Quantensprung”, nicht mehr erforderlich ist. Fragen der unterschiedlichen Empfangsqualität, die Einschätzung und Nutzung eines Rechners als Textmedium oder Multimediagerät und auch die Spekulation darüber, ob die „althergebrachten” Rundfunkempfangsgeräte in ihrer Bedeutung abnehmen werden oder nicht, haben in diesem Zusammenhang und insbesondere für die hier zu entscheidende Frage, ob es sich bei dem internetfähigen PC des Klägers um ein Rundfunkempfangsgerät handelt, keine Bedeutung. Selbst wenn bei den „althergebrachten” monofunktionalen Geräten die an sich getrennten Tatbestandsmerkmale des „Bereithaltens” und „zum Empfang” verschmolzen sind und deshalb eine getrennte Auseinandersetzung mit diesen Begriffen eher nicht erforderlich war, kann dies bei den neuartigen multifunktionalen Geräten auseinander gehen (vgl. Kitz, Rundfunkgebühren auf internetfähige PC und Mobiltelefone, NJW 2006,406 ff.). Für den hier vorliegenden Fall kann dies aber dahinstehen, da der Kläger nach seinen eigenen Angaben über einen internetfähigen PC verfügt und das Internet auch nutzt.
Auch der im Geltungsbereich des Rundfunkgebührenstaatsvertrages möglicherweise vorhandene unterschiedliche Versorgungsgrad zwischen UKW- und Internetempfangsmöglichkeit schließt einen internetfähigen PC nicht als Rundfunkempfangsgerät aus. Im Hinblick auf die vorhandenen Kabelnetze, die zunehmenden Angebote der Stromversorger, auch als Internetprovider aufzutreten und nicht zuletzt durch die Möglichkeit, über UMTS ins Internet zu gelangen, ist von einer fast flächendeckenden Internetversorgung im Bundesgebiet auszugehen, selbst wenn die Übertragungskapazitäten und -geschwindigkeiten und die jeweiligen Kosten, um das Internet nutzen zu können, regional erheblich auseinander gehen können. Diejenigen, die es wollen, können auch die „Gesamtveranstaltung Rundfunk” (vgl. BVerfG vom 27.07.1971, BayVBl 1971, 343) über das Internet empfangen. Soweit Rundfunkanstalten ihr Programm nicht selbst über Livestreams anbieten, ist es möglich, über z.B. Zattoo z.Zt. 70 Programme, unter anderem das von ARD und ZDF, ohne weitere Kosten über das Internet zu empfangen (vgl. http://zattoo.com/de/tv-channels, Stand. 15.07.08). Die Frage, ob sich wegen Unterschreitung einer sog. „Nennenswertschwelle” ein internetfähiger PC nicht als Rundfunkempfangsgerät angesehen werden kann (vgl. Kitz a.a.O.), stellt sich nach Auffassung des Gerichts nicht mehr.
Vielmehr ergibt sich für das Gericht daraus, dass nunmehr nicht mehr wie schon seit längerer Zeit nur Hörfunkprogramme, sondern – abhängig von der Übertragungskapazität des jeweiligen Internetzugangs – auch Fernsehprogramme in erheblichem Umfang und angemessener Qualität empfangen werden können. Die noch zu § 5 a RGebStV in der Fassung der Bekanntmachung vom 27. Juli 2001 (GVBl S. 561) abgegebene Protokollerklärung unter anderem des Freistaats Bayern, dass Rechner, die Rundfunkprogramme ausschließlich über Angebote aus dem Internet wiedergeben bzw. abrufen können, keine Rundfunkempfangsgeräte sind, haben sich durch die Neufassung des Rundfunkgebührenstaatsvertrages, dem auch der Freistaat Bayern zugestimmt hat, durch die Formulierungen in §§ 1 Abs. 1, 5 Abs. 3 und 11 Abs. 2 RGebStV dahingehend erledigt, dass es sich bei einem Rechner, über den der Kläger verfügt, um ein (nunmehr) gebührenpflichtiges Rundfunkempfangsgerät handelt.
Das Kriterium „nicht zeitversetzt” ist so zu verstehen, dass die technisch bedingten Systemlaufzeiten unbeachtlich sind (s.a. Naujock in Hahn/Vesting, Beck´scher Kommentar zum Rundfunkrecht, 2. Aufl. 2008, § 1 RGebStV, RdNr. 15). Die marginal unterschiedlichen Laufzeiten der Verbreitungswege für den terrestrischen Empfang oder den Empfang über Satellit, Kabel oder Internet (Livestream), die sich nicht nur durch die unterschiedlich langen Wege vom Sender zum Empfänger, sondern auch durch Signalaufbereitungen ergeben können, führen nicht dazu, dass einer der Verbreitungswege bei der Subsumtion unter das Merkmal „nicht zeitversetzt” herausgenommen werden müsste. Vielmehr ist allen Verbreitungswegen gemein, dass das Programm – inhaltlich unverändert – nach der jeweiligen technischen Möglichkeit „schnellstmöglichst” dem Empfänger bereitgestellt wird.
1.2. Die Heranziehung des Klägers wegen des Bereithaltens eines internetfähigen PCs zu Rundfunkgebühren ist nicht verfassungswidrig. Das Bundesverfassungsgericht hat in mehreren Entscheidungen den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten nicht nur eine Bestands-, sondern auch eine Entwicklungsgarantie (vgl. BVerfG, Urteil vom 22.02.2994, 1 BvL 30/88 BVerfGE 90,60) zuerkannt. Korrespondierend zu diesen Garantien spricht das Bundesverfassungsgericht auch von einer Finanzierungsgarantie (vgl. BVerfG a.a.O.). Selbst wenn über den Umfang der Grundversorgung, die die Rundfunkteilnehmer durch ihre Gebühren sicherstellen sollen, immer wieder zutreffend diskutiert werden kann, ist das Gericht der Auffassung, dass die Frage des Weges der technischen Verbreitung (jedenfalls der der Grundversorgung zuzurechnenden Programme) und damit auch der Geräte, die am Ende dieses Weges vom Rundfunkteilnehmer bereitgehalten werden, um die Programme empfangen zu können, einen Kernbestandteil der oben genannten Entwicklungsgarantie betreffen. Ein verfassungsrechtlich relevanter Eingriff in die Grundrechte dieser – wie der Kläger es bezeichnet hat – durch § 5 Abs. 3 RGebStV „umdefinierten” Empfangsgeräte betroffenen Rundfunkteilnehmer liegt nach Auffassung des Gerichts nicht vor. Insbesondere erweist sich die Regelung nicht als ein Verstoß gegen das Willkürverbot aus Art. 3 GG. Entgegen dem Vorbringen des Klägers ist der Gesetzgeber beziehungsweise sind die Rundfunkanstalten auch nicht gehalten, den Empfang ihres Programms über das Internet von einer (evtl. kostenpflichtigen) Zugangsberechtigung abhängig zu machen. Diese Zugangsbeschränkung (pay-per-channel oder pay-per-package – Zahlung für die Nutzbarkeit eines oder mehrer Kanäle), die im Übrigen auch durch Verschlüsselung des Programms und Abhängigmachen des Kaufs eines Decodierungsgerätes (oder auch nur einer sog. Smartcard) bei der Verbreitung von Fernsehprogrammen über die sonstigen Übertragungswege (terrestrisch, Kabel oder Satellit) möglich wäre, widerspricht dem Gedanken der Grundversorgung. Die öffentlichrechtlichen „Grundversorgungsprogramme” sollen jedem Rundfunkteilnehmer möglichst barrierefrei zugänglich sein. Dem entspricht auf der anderen Seite, dass die (auch nur) für das Bereithalten des Empfangsgeräts zu zahlende “Gebühr”, die der Anstalt des betreffenden Landes zufließt, unter diesen Umständen nicht Gegenleistung für eine Leistung, sondern als das von den Ländern eingeführte Mittel zur Finanzierung der Gesamtveranstaltung anzusehen ist (BVerfG vom 27.07.1971, BayVBl 1971, 343). Ob die somit verfassungsgerichtlich als rechtmäßig festgestellte Zahlungsverpflichtung dem Rundfunkteilnehmer in Form einer Anstaltsnutzungsgebühr, einer Gebühr mit Beitragscharakter, eines echten Beitrags oder einer Abgabe sui generis gegenübertritt, ist diesem wohl gleichgültig, solange nicht die Höhe, wovon derzeit nicht auszugehen ist, einen prohibitiven Charakter aufweist (vgl. Jutzi, Informationsfreiheit und Rundfunkgebührenpflicht, NJW 2008,603).
1.3. Die Rundfunkgebührenpflicht entsteht kraft Gesetzes in der gesetzlichen festgelegten Höhe. Eine darüber hinausgehende Festsetzung der Rundfunkgebührenpflicht durch Verwaltungsakt ist für das Bestehen beziehungsweise Fälligwerden der Gebührenpflicht nicht erforderlich (BVerfG Beschluss vom 30.01.08 1 BvR 829/06). Der Kläger hat im Januar 2007 in einem Gespräch mit der GEZ erklärt, dass er über einen internetfähigen PC verfügt. Dass er möglicherweise auch schon früher gemäß § 3 Abs. 1 RGebStV verpflichtet gewesen sein könnte, das Bereithalten dieses PC anzuzeigen, kann hier dahinstehen. Jedenfalls begann seine Rundfunkgebührenpflicht gemäß § 4 Abs. 1 RGebStV mit dem ersten Tag des Monats, in dem ein („gebührenpflichtiges”) Rundfunkempfangsgerät zum Empfang bereitgehalten wurde, also zum 1. Januar 2007. Die Fälligkeit dieser Rundfunkgebühren ergibt sich aus § 4 Abs. 3 RGebStV. Danach sind die Rundfunkgebühren als Schickschuld (vgl. § 7 Abs. 3 Satz 1 RGebStV) in der Mitte eines Monats für jeweils drei Monate zu leisten, im Fall des Klägers somit erstmals zum 15. Februar 2007. In der gemäß § 4 Abs. 7 RGebStV erlassenen Satzung der Landesrundfunkanstalt über das Verfahren zur Leistung der Rundfunkgebühren vom 25. November 1993 (GVBl S. 1108) in der Fassung vom 30. Januar 1997 (GVBl S 55) ist in § 5 Abs. 1 geregelt, dass der Rundfunkteilnehmer die Rundfunkgebühren an die GEZ auf das Rundfunkgebührenabwicklungskonto zu leisten hat. Sofern der Rundfunkteilnehmer, wie hier der Kläger, dieser Verpflichtung nicht nachkommt, können die rückständigen Gebühren von der Rundfunkanstalt durch Gebührenbescheid eingezogen werden (BVerfG, Beschluss vom 30.01.08, 1 BvR 829/06). Soweit der Kläger vorsorglich auch gegen die Schreiben vom 4. Februar, 20. März, 25. April und 5. Mai 2007 Widerspruch eingelegt hatte, ist der Beklagte zu Recht darauf im Widerspruchsbescheid nicht mehr eingegangen, da es sich bei diesen nachrichtlichen Mitteilungen über das Bestehen der gesetzlichen Gebührenschuld um keine Verwaltungsakte gehandelt hatte, gegen die ein Widerspruch statthaft gewesen wäre.
Die Höhe der festgesetzten Rundfunkgebühren, d.h. die Beschränkung auf die Grundgebühr, ist möglicherweise rechtswidrig, verletzt den Kläger aber jedenfalls nicht in seinen Rechten. Sofern nach den Regelungen des Rundfunkgebührenstaatsvertrages für neuartige Rundfunkempfangsgeräte Rundfunkgebühren zu zahlen sind, umfassen diese, da mit den neuartigen Rundfunkempfangsgeräte auch Fernsehprogramme empfangen werden können, grundsätzlich Grund- und die Fernsehgebühren. Dass die rechtliche Verpflichtung zur Zahlung der Fernsehgebühren von der technischen Leistungsfähigkeit des Empfangsgerätes abhängig gemacht wird, findet im Rundfunkgebührenstaatsvertrag keine Grundlage. Auch für einen Schwarz-Weiß- Fernsehgerät oder einen Minifernseher mit 5.8.cm Bildschirmdiagonale sind Grund- und Fernsehgebühren zu bezahlen. Die Tatsache, dass die Ministerpräsidenten der Bundesländer sich darauf verständigt haben, dass die Rundfunkgebühren für neuartige Geräte auf die Grundgebühr beschränkt bleiben (siehe Göhmann/Naujock/Siekmann in Beck´scher Kommentar zum Rundfunkrecht, 2. Aufl. 2008, § 5 RGebStV, RdNr. 55b) und die Rundfunkanstalten dieser Empfehlung offensichtlich folgen, mag rechtswidrig sein und die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs interessieren (§ 13 RStV), verletzt aber den Kläger jedenfalls nicht in seinen Rechten.
1.4. Die gemäß § 11 Abs. 2 RGebStV zum 1. Januar 2007 entstehende Gebührenpflicht des Klägers ist auch nicht dadurch entfallen, dass er eine der Voraussetzungen für eine Rundfunkgebührenbefreiung nach §§ 5 oder 6 RGebStV erfüllt. Der Kläger hat angegeben, dass er über kein sonstiges Rundfunkempfangsgerät, insbesondere über kein Radio- oder Fernsehgerät verfügt, so dass es sich bei seinem internetfähigen PC um kein gebührenbefreites Zweitgerät nach § 5 RGebStV handeln kann. Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Gebührenbefreiung nach § 6 RGebStV liegen unabhängig davon, dass eine derartige Befreiung nur auf Antrag und Vorlage entsprechender Unterlagen erfolgt, hier nicht vor. Eine wirksame Abmeldung (§ 4 Abs. 2 RGebStV), die die Rundfunkgebührenpflicht hätte entfallen lassen können, liegt ebenfalls nicht vor.
1.5. Der Kläger hat seine Kraft Gesetzes zum 1. Januar 2007 entstandene Rundfunkgebührenschuld, wie unter 1.3. beschrieben, nicht fristgerecht bezahlt. Fällig wären die Rundfunkgebühren für das erste Quartal des Jahres 2007 am 15. Februar 2007 und für das zweite Quartal des Jahres 2007 am 15. Mai 2007 gewesen. Ein Zahlungseingang innerhalb einer Frist von vier Wochen nach dieser Fälligkeit erfolgte nicht. Der Beklagte hat deshalb in den Bescheiden vom 1. Juni und 1. Juli 2007 zu Recht jeweils einen Säumniszuschlag von 5,11 EUR festgesetzt (§ 4 Abs. 7 RGebStV i.V.m. § 6 Abs. 1 der Satzung über das Verfahren zur Leistung der Rundfunkgebühren).
2. Die Kostenentscheidung ergibt sich aus § 154 Abs. 1 VwGO.
Rechtsmittelbelehrung (…)
Tags: Computer, Gebühren, GEZ, Handy, Home-Office, Internet-Recht, Multimediarecht, Urteile



