Wie in mehreren -Beiträgen zu lesen war, wurde der erfolgreiche „basicthinking.de“ kürzlich für einen Betrag von 46.902,- EUR über eBay verkauft. Aufgrund der Medienaufmerksamkeit, die diesem Angebot zugekommen war, kann man diesen Kaufpreis als momentane Marktewertschätzung auch für die Bestimmung von Streitwerten bei -Streitigkeiten heranziehen. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die nur einen Teil, nämlich einen kleinen Teil des vorbenannten Werts ausmacht. Wesentliche weiterre wertbildende Faktoren sind zu berücksichtigen. Dazu gehören namentlich die erfolgten Verlinkungen und damit die für den Markterfolg von Internet-Auftritten so wichitge Netzwerkbildung. Weiter sind natürlich auch der des Contens (Artikel), Kommentare zu berücksichtigen

Kaufgegenstand: Blog

In Anlehung und als Ergänzung an eine Systematisierung durch Simon Möller (Telemedicus vom 14. Januar 2009) mit Verweis auf einen Artikel von RA Dr. Carsten Ulbricht kann der Verkaufswert eines erfolgreichen Blogs auf folgende wertbildende Faktoren verteilt bzw. aus diesen ermittelt werden:

: eines Blogs

1. Domain
2. Content

a) Artikel
b) Kommentare

3. Web-Seite

a) ggf. Software (Backend)
b) Seiten-
c) Einzel-Grafiken in Artikeln (insb. bei Bild-blogs)

4. Verbundene Verträge

a) Webwerbung
b) Autorenverträge

5. Erworbene Medienaufmerksamkeit

6. Marketingwert des Verkaufsvorgangs selbst

Hierbei sind die erzielten Ergebnisse für die Wertbildung ebenso maßgeblich, wie eine zu erwartende Entwicklung des Blogs in der näheren Zukunft. Was im Vergleich zu US-Amerkanischen Blogs auffällt, ist der geringe Wert, den hier ein Blog mit deutschem Inhalt und einer „.de“-Domain erzielen konnte. Dies liegt nach meiner Ansicht daran, dass hierzulande Blogs noch nicht als die unabhängigen Online-Zeitungen verstanden werden und anerkannt sind. In den USA hat sich dieses Selbstverständnis der Bogs spätestens seit dem Wahlkampf um die Präsidentschaft 2008 und der Durchsetzung der „Huffington Post“ gefestigt.

Wert und von Domains

Wie ersichtlich ist die Domain nur einer, wenn auch ein wichtiger wertbildender Faktor. Gegenwärtig werden bei Domainstreitigkeiten in Deutschland gerne Streitwerte in Höhe von 50.000,- EUR angenommen. Wie der Verkauf durch Versteigerung des erfolgreichen Blogs „basicthinking.de“ zeigt, ist der Wert einer Domain wohl weit geringer anzusetzen. Künftig werden also alle Abmahner den Streitwert der Domain aufgrund des § 287 ZPO genauer begründen müssen. Mindestens der Nachweis einer Schätzungsgrundlage für z. B. weitere Beeinträchtigungen (z. B. tatsächlich erfolgte Rufausbeutung, Umlenkung von Kundenströmen, etc.) werden erforderlich sein. Umgekehrt wird durch den Nachweis anhand von Zugriffsstatistiken eine Abwehr solcher überhöhter Streitwerte in Abmahnungen leichter sein. In der Praxis ist nämlich unverkennbar, dass immer mehr Abmahnungen gegen Domain-Inhaber ausgesprochen werden, um durch diesen Druch den Inhaber zur Aufgabe bzw. Übergabe der Domain zu bewegen. Und dies, obwohl ein Übertragungsanspruch rechtlich in nur ganz engen Ausnahmefällen von Gerichten anerkannt wurde.
Aufgrund geänderter Google-Kriterien ist zu erwarten, dass die Vernetzung und der Content (Umfang, Aktualität, etc.) bei Blogs künftig bei der Wertbestimmung an Bedeutung gewinnen. Ebenso ist zu erwarten, dass Wahlkämpfe und die Veränderung der Medienlandschaft zu einer Wertsteigerung der Blogs insgesamt führen werden. Der Wert von Domains wird – nicht zuletzt dank der weiter hinzukommenden Top-Level-Domains (z. B. „.EU“, Erwerbbarkeit neuer Top-Level-Domain-Namen) einerseits und weiter steigender Online-Nutzungen bzw. Internet-Umsätze andererseits – dagegen stabil bleiben.

Rechtsanwalt Siegfried Exner, Kiel – www.jur-blog.de

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